Was wir über Ernährung wissen

Was wir über Ernährung wissen
Photo @geraldine0808

Wann waren Sie das letzte Mal im Supermarkt? Bestimmt ist das noch nicht allzu lange her. Und wie oft standen Sie da vor den Regalen und wussten nicht, für welche Produkte Sie sich entscheiden sollten?

 

Viele Entscheidungen treffen wir nach unserem Geschmack, Appetit und momentanem Befinden. Aber oft sind wir unsicher, was die beste Wahl für unsere Gesundheit ist.

 

Keine Frage, jeder weiß, Obst und Gemüse ist gesünder als Schokolade. Aber wir müssen uns ja nicht nur zwischen Obst und Schokolade entscheiden, sondern zwischen Zucker-reduziert, fettarm, lactose- und glutenfrei, bio und regional oder auch zwischen Fisch und Fleisch. Mehr Fisch, weniger Fleisch? Oder gar kein Fleisch mehr? Lieber braunen oder weißen Zucker? Lieber Butter oder Margarine? Süßkartoffel oder weiße Kartoffel? Diese Liste kann unendlich erweitert werden.

 

Oft sind es nicht nur Fragen nach der guten und gesunden Wahl der Lebensmittel, sondern auch die Verunsicherung hinsichtlich der richtigen Tages- bzw. Uhrzeit.

 

Ist es nicht gesünder, morgens zu essen und damit ungesund, ohne Frühstück aus dem Haus zu gehen? Oder macht es dick, wenn ich spät abends etwas esse und mich anschließend mit vollem Magen ins Bett lege? Sollte ich nicht vor 18:00 Uhr das letzte Mal gegessen haben?

 

 

Was stimmt wirklich und wonach können wir uns tatsächlich richten?

Ernährungsforschung – wir wissen so viel und doch noch zu wenig

Insgesamt hat die Ernährungswissenschaft keine leichte Aufgabe, denn jeder Mensch ist in seiner „Zusammensetzung“ einzigartig. Zwei Menschen, die gleich groß und gleich schwer sind, in derselben Stadt wohnen, denselben Job haben und sonst auch das dasselbe tun, können trotzdem einen anderen Stoffwechsel haben und ganz unterschiedlich auf Lebensmittel reagieren. Das bedeutet, dass Studien im besten Fall statistische Zusammenhänge liefern können aber leider kaum Ursache-Wirkungs-Beziehungen.

 

Wenn also eine Studie belegt, dass Brokkoli-EsserInnen seltener krank werden, besteht zwar ein statistischer Zusammenhang aber das allein reicht nicht für eine klare Aussage, dass Brokkoli allein gesund hält. Es wirft weitere Fragen auf. Denn es kann sein, dass Brokkoli-EsserInnen sich insgesamt bewusster ernähren und sich häufiger bewegen.

 

Dieses eine Lebensmittel, das uns ein langes Leben garantiert, das gibt es leider nicht. Und umgekehrt gilt dasselbe: Das eine böse Nahrungsmittel, das uns dick macht oder sogar unser Leben um einige Jahre verkürzt, gibt es ebenso nicht. Sondern die gesamte Ernährung ist entscheidend und eben auch das Gesamtbild vieler, breiter Studien, nicht die Aussage einer einzigen Untersuchung.

 

Und doch kursieren ständig neue - oft hanebüchene - Empfehlungen zur gesunden Ernährung. Nicht selten von selbst ernannten Experten. Wen wundert es da noch, dass so viele Menschen verunsichert sind, wie sie sich ernähren sollen?

Ernährungsmythen - heute hü, morgen hott

Wenn man sich mal auf die Suche nach der „richtigen“ bzw. gesunden Ernährung begibt, muss man sich erst mal den Weg durch einen Irrgarten schlagen. Denn das, was hier noch empfohlen wird, davor wird dort schon wieder gewarnt.

 

Ein Beispiel zum Verzicht auf Kohlenhydrate (Low-carb): Low-carb macht glücklich, ist aber eigentlich tödlich.

 

Zwischen dem Erscheinen dieser beiden Artikel liegen zwei Monate. Wo ist der Kompass, der uns eine Richtung vorgeben kann? Sollen wir nun auf Kohlenhydrate verzichten oder nicht?

 

Wenn wir komplett verzichten, werden wir die Kohlenhydrate, die mitunter zu den wichtigsten Energielieferanten zählen, durch andere Nahrungsmittel ersetzen müssen. Und schon stellt sich die gleiche Frage von vorn. Wie wirkt sich das dann auf unsere Gesundheit aus?

 

Nehmen wir zum Beispiel die trendige Paleo-Diät. Diese behauptet, dass nur alles, was uns vermeintlich in der Steinzeit an Essbarem zur Verfügung stand, gut für uns ist. Das heißt keinerlei Getreide oder raffinierter Zucker, also kaum Kohlenhydrate. Dafür u. a. sehr viel Fleisch, Fisch, Nüsse und Früchte. Diese Art sich zu ernähren hat tatsächlich auch ein paar gute Aspekte, vor allem die Vermeidung von Fertiggerichten und stark verarbeiteter Lebensmittel. Wissenschaftlich gesehen gibt es jedoch weder Beweise dafür, dass wir uns in der Steinzeit wirklich so ernährt haben, noch dass sie bei der dauerhaften Gewichtsreduktion effektiv ist. Es bestehen tatsächlich Zweifel daran, inwieweit solch eine Ernährung förderlich für die Gesundheit ist. Zudem ist es ziemlich teuer sich Paleo-konform zu ernähren.

 

Vielleicht sollten wir es dann mit „Superfoods“ probieren? Ein toller Marketing-Begriff, denn allein der Name klingt schon so gesund. Superfoods gibt es mittlerweile viele: Chia-Samen, Açai und Goji Beeren oder roher Kakao sind nur einige Beispiele. 

 

Auch das Kokosöl gehörte dazu. Ja richtig, gehörte - es stellte sich nämlich raus, dass Kokosöl alles andere als förderlich für unsere Gesundheit ist.

 

Wenn man sich die vermeintlich vielen tollen Eigenschaften des Kokosöls (antibakteriell, reich an Vitaminen, Aminosäuren und Spurenelementen) ansieht, kann das Olivenöl beim Kochen und Backen doch gleich eine Reihe nach hinten rutschen.

 

Wer sich jedoch den heiß diskutierten Vortrag der Harvard-Professorin Karin Michels noch ansehen konnte (Betonung liegt auf KONNTE, denn das Video ist nicht mehr verfügbar), der wollte das Öl direkt wieder aus der Küche verbannen.

 

Für ihre Aussage „Kokosöl ist das reine Gift“ hat sich Karin Michels übrigens inzwischen entschuldigt, denn es sei viel zu überspitzt ausgedrückt gewesen. Trotzdem halten die Wissenschaftler Kokosöl für bedenklich, da es überwiegend gesättigte Fettsäuren enthält, die das Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen steigern. Auch von den Vitaminen und Mineralien seien eigentlich nur Spuren vorhanden. Also doch nicht so super.

Schokolade und Chia-Samen – ein kleiner Wegweiser

Einen guten Wegweiser im dichten Ernährungsdschungel geben am ehesten Ernährungsmuster und Ernährungsweisen, das zeigen auch Beobachtungsstudien.

 

Das heißt, ein insgesamt bewusster Lebensstil trägt zu unserer Gesundheit und unserem Wohlbefinden bei. Ausreichende Bewegung – Sie müssen dabei nicht gleich zum Marathon-Läufer werden. Eine ausgewogene Ernährung, die viel Gemüse enthält, wenn möglich auch Vollkornprodukte, weniger Fertigprodukte, mehr naturbelassene Produkte, Obst aber auch Fleisch und Fisch sind ok.

 

Auch Schokolade oder Chips müssen nicht vom Ernährungsplan gestrichen werden, solange die Ernährung insgesamt ausgewogen bleibt.

 

Also falls Sie sich jeden Morgen mit ihrem Chia-Samen Pudding quälen, weil Chia-Samen als Superfood gelten und ein langes Leben versprechen, dann erlöse ich Sie hiermit. Finden Sie ein anderes leckeres Frühstück. Falls Sie sie aber gerne essen, dann machen Sie weiter damit. Chia-Samen sind gesund aber ohne Chia-Samen leben wir nicht ungesund.

 

Der Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) gibt einige Ernährungsempfehlungen. Auf der Webseite des DGE werden Sie die „10 Regeln“ genannt aber sehen Sie sie als richtunggebend an und gehen danach, was für Sie gut umsetzbar ist und was sie tatsächlich auch mögen.

 

Übrigens: Auch die Regeln des DGE sind nicht in Stein gemeißelt. Die letzte Anpassung fand 2017 statt. Das zeigt auf ein Neues, dass die Ernährungswissenschaft ein breites Untersuchungsfeld ist. Unsere Nahrung verändert sich, unser Bedarf, unser Lebensstil. Was heute noch aktuell ist, kann sich morgen schon wieder ändern.

 

Sie sehen, es gibt nicht die eine Antwort aber es gibt viele Antworten. Sie liegen sicherlich richtig, im Zweifelsfall den guten Mittelweg einzuschlagen und auf das eigene Bauchgefühl zu hören.

 

Wenn Sie das also nächste Mal von einer neuen unglaublichen Ernährungsstudie hören, hinterfragen Sie sie gern, schauen Sie genau hin, ob das wirklich Sinn macht und lesen Sie genau nach, wo es herkommt. Und wenn es zu schön klingt, um wahr zu sein, dann ist es das mit aller höchster Wahrscheinlichkeit auch so. Denn Sie wissen ja, erste Annahmen können morgen wieder zu Ausnahmen werden.

 

 

Freuen Sie sich auf meinen nächsten Blogbeitrag, in dem ich für Sie das große Abnehmgeheimnis lüfte. Und um ihn nicht zu verpassen, abonnieren Sie meine Facebook Seite.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Gleichgewicht -

Praxis für Hypnose & Ernährung

 

Julia Ware

Heilpraktikerin (Psychotherapie)

 

Marienburger Str. 30

10405 Berlin

 

Tel: (030) 470 517 81

kontakt@gleichgewicht-hypnose.de