Warum esse ich mehr als ich brauche?

Warum esse ich mehr als ich brauche
Photo @geraldinesdiary

Essen ohne Hunger zu haben: Kennen Sie das auch?

 

Hier ein Snack, da was zu Knabbern. Nach einem leckeren Gericht noch ein Dessert hinterher. Auch ein Eis geht ja bekanntlich immer. Und: „Was weg ist, ist weg.“ Warum können wir eigentlich immer erst aufhören, wenn die Packung leer ist?

 

Wir essen einfach mehr als wir brauchen und oft merken wir es nicht einmal. Denn all die Naschereien zwischendurch können wir am Ende des Tages kaum noch genau aufzählen.

 

Unaufmerksames und schnelles Essen ist einerseits eine starke Gewohnheit. Also häufig sogar völlig unabhängig von unserem aktuellen Gemütszustand. Wir müssen nicht gestresst, frustriert oder unglücklich sein - nein, wir können auch glücklich sein und essen zu viel. Wir haben es uns über die Zeit angewöhnt und geben dem Essen keine Aufmerksamkeit mehr.

 

Andererseits essen wir aus emotionalen Gründen. Wir sind traurig, uns ist langweilig, wir fühlen uns überfordert oder können nicht mal genau definieren, was mit uns los ist. Wir bekommen dann dieses zwingende das Gefühl, dass wir etwas essen müssen, weil wir – bewusst oder auch unbewusst – abgespeichert haben, dass es uns dann besser geht.

 

Wenn das nur ab und zu vorkommt, fällt es im wahrsten Sinne des Wortes nicht weiter ins Gewicht. Kommt es allerdings häufiger vor und wir stellen fest, dass wir anfangen darunter zu leiden, sowohl physisch und psychisch, dann kann unsere Angewohnheit problematisch werden, die es genauer anzuschauen gilt. 

Warum essen wir?

Essen ist erstmal grundsätzlich dazu da, unseren Körper mit Nährstoffen und Energie zu versorgen. Wir müssen also essen, um gesund und am Leben zu bleiben.

 

Aber wir essen ja nicht nur, um uns einfach nur am Leben zu halten. Essen hat natürlich auch kulturelle und soziale Gründe. Ein tolles Gericht mit Freunden und Familie in Gemeinschaft zum Beispiel, das verbindet, wir fühlen uns wohl und geborgen.

 

Wir verbinden also mit unserem Essen Emotionen, schöne aber auch natürlich schwierige, wie Einsamkeit, Trauer, Wut, Frust und vieles davon unbewusst.

 

Was wir essen, mit wem wir essen und wie viel wir essen – hat also Ursachen in unserer Psyche. Es steckt deshalb etwas mehr dahinter, als nur satt zu werden.

Und warum essen wir nun zu viel?

1. Weil es schmeckt und wir nicht bei der Sache sind

Kommen wir doch nochmal auf die gemütliche Runde im Kreise der Freunde und Familie zurück. Wir unterhalten uns und parallel dazu nehmen wir noch einen Teller Nachschlag oder naschen ein paar Snacks. Wir können nicht die Finger davonlassen. Ja, essen verbindet. In so geselligen Runden macht das Essen doch auch Spaß und so soll es auch sein. Wir sind abgelenkt, achten gar nicht drauf, was und wie viel wir eigentlich essen und essen mehr als wir brauchen.

 

Eine andere Möglichkeit ist die Situation vor dem Fernseher. Auf unserem Schoß findet sich eine Tüte Chips geparkt und dann geht’s los. Denken wir dann mit jedem Happen „Ich beiße jetzt in einen salzigen, fettigen Chip“? Wohl eher nicht. Wir essen ganz nebenbei. 

2. Weil wir gestresst sind

Stress in jeder Hinsicht, also nicht nur Stress aufgrund der vielen Arbeit, die wir zu bewältigen haben. Stress in Form von jeglichen negativen Gefühlszuständen, wie z. B. Angst, Unruhe oder Frust. Der Lübecker Wissenschaftler Professor Achim Peters fand heraus, dass wir vermehrt Zucker brauchen, wenn wir gestresst sind. Und diesen Zucker holen wir uns nicht etwa aus den Reserven unseres Körpers, sondern von außen mit weiterer Nahrung. Wir haben Nahrungsmittel im Überfluss und die Kontrollzentren im Gehirn sind gestört.

3. Ständige Verfügbarkeit und geschickte Werbung

An jeder Ecke ist Essen bei uns erhältlich. Wenn wir durch die Straßen gehen, können wir in jedem zweiten Geschäft etwas Essbares finden – da sind Restaurants, kleine Imbisse, Foodtrucks und – das alles natürlich meistens auch zum Mitnehmen.

 

Dann ist da noch die allgegenwärtige Werbung. Wir erfahren aus der TV-Werbung vom neuen super gesunden Müsli, das ganze 30 % weniger Zucker enthält. Und mit dem „Fitness-Drink“ aus dem Supermarkt trinken wir uns schlank, tun sogar etwas Gutes für unser Immunsystem - so steht es ja auf der Verpackung. Und unsere Kinder kommen einfach nicht an der Bärchenwurst vorbei.

Wir essen also zu viel, weil

  • wir unsere Körpersignale in vielen Situationen überhören oder gänzlich verlernt haben, sie genau wahrzunehmen,
  • unser Gehirn bei Stress vermehrt Zucker einfordert,
  • es uns gut schmeckt und uns vermeintlich gute Gefühle verschafft, die wir vor allem in schwierigen Situationen, wo es uns nicht so gut geht, immer wieder abrufen möchten,
  • Essen verbindet – gesellige Runden (selbst die Zweisamkeit mit Freundin oder Partner) lassen uns gerne unsere eigenen Körpersignale ignorieren, wir stellen unsere eigenen Bedürfnisse im Zuge der Geselligkeit hinten dran,
  • wir uns im Supermarkt oder von der Werbung beeinflussen lassen, ob wir das wollen oder nicht. Wir sind Werbung ausgeliefert. Wir sehen Reklame, die uns denken lässt, wir hätten Hunger und plötzlich verspüren wir Appetit auf die Pizza in der Werbung. 

 

Abschließend noch ein kleiner Tipp: Genießen Sie jeden Bissen Ihres Essens. Schauen Sie sich genau an, was Sie essen. Oft nehmen wir nämlich gar nicht wahr, dass wir überhaupt essen. Und nehmen Sie zum Essen kleinere Teller. Wir neigen dazu, unseren Teller leerzumachen. Haben wir uns einen großen Teller zubereitet, werden wir ihn sehr wahrscheinlich leer machen. Kleinerer Teller – kleinere Portion und trotzdem satt.

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